Reise in die Unterwelt

Die Unterwelt – Reiche der Toten

In den Mythen vieler Kulturen existiert eine Welt jenseits der unseren – ein Reich, das die Lebenden nur selten betreten und aus dem die Toten nicht ohne Weiteres zurückkehren. Doch die Unterwelt ist nicht zwangsläufig ein Ort der ewigen Qual. Je nach Kultur erscheint sie als Reich der Verstorbenen, als düstere Schattenwelt, als Ort der Prüfung oder als Übergang zwischen Leben und Tod.

In der griechischen Mythologie herrscht Hades über die Unterwelt. Die Seelen der Verstorbenen gelangen über den Fluss Styx oder Acheron in sein Reich und werden von Charon, dem Fährmann der Toten, übergesetzt. Dort erwarten sie verschiedene Bereiche: Die meisten Toten führen ein schattenhaftes Dasein, während besonders verdiente Seelen die paradiesischen Elysischen Gefilde erreichen. Für die Frevler hingegen gibt es Orte ewiger Strafe wie den Tartarus. Die Unterwelt ist hier weniger ein Ort des Bösen als eine notwendige Ordnung, die Leben und Tod voneinander trennt.

Auch die nordische Mythologie kennt mehrere Reiche der Toten. Hel, die Herrscherin der gleichnamigen Totenwelt, empfängt viele derjenigen, die nicht im Kampf gefallen sind. Ihr Reich liegt fernab der Welt der Lebenden und wird von der riesigen Hündin Garm bewacht. Daneben existieren andere Orte für die Verstorbenen: Gefallene Krieger können nach Walhall zu Odin oder nach Fólkvangr zu Freyja gelangen. Der Tod bedeutet somit nicht für alle dasselbe – das Schicksal einer Seele hängt davon ab, wie sie gelebt und gestorben ist.

Im alten Ägypten war das Reich der Toten eng mit dem Lauf der Sonne verbunden. Die Unterwelt, das Duat, war eine geheimnisvolle Welt voller Tore, Flüsse, Wächter und gefährlicher Wesen. Während der nächtlichen Reise durchquerte der Sonnengott Ra das Duat, bevor er am Morgen wiedergeboren am Horizont erschien. Auch die Seele des Menschen musste sich nach dem Tod auf eine Reise begeben. Im Totengericht vor Osiris wurde das Herz gegen die Feder der Maat gewogen – ein Symbol für Wahrheit, Gerechtigkeit und ein geordnetes Leben. Wer das Gericht bestand, konnte in ein glückliches Leben im Jenseits eingehen.

In der mesopotamischen Mythologie erscheint die Unterwelt als ein düsteres Reich, aus dem es kaum eine Rückkehr gibt. Die Verstorbenen leben dort ein schattenhaftes Dasein, unabhängig davon, wie gut oder schlecht sie zu Lebzeiten waren. Besonders eindrucksvoll zeigt dies die Geschichte von Inanna, die in die Unterwelt hinabsteigt und dort ihrer Schwester Ereshkigal begegnet. Ihr Abstieg wird zu einer Reise voller Verlust, Tod und schließlich Wiederkehr – ein Motiv, das in vielen Kulturen mit Wandlung und Erneuerung verbunden ist.

Auch andere Traditionen kennen ähnliche Vorstellungen: geheimnisvolle Reiche unter der Erde, ferne Länder der Toten oder Übergangswelten, die von Flüssen, Toren, Wächtern und Fährleuten begrenzt werden. Gemeinsam ist vielen dieser Mythen die Vorstellung, dass der Tod keine bloße Auslöschung ist, sondern eine Reise in eine andere Wirklichkeit.

Die Unterwelt ist deshalb nicht nur ein Ort des Schreckens. Sie steht für das Unbekannte, für Vergänglichkeit und für die Grenze zwischen dem, was wir kennen, und dem, was sich unserem Verständnis entzieht. Ihre Geschichten erzählen von Tod und Wiedergeburt, Schuld und Erlösung, Verlust und Transformation – und von der uralten menschlichen Frage, was hinter dem Ende des Lebens liegen könnte.

98. Maat & das Totengericht

Maat und das ägyptische Totengericht

Im alten Ägypten war der Tod nicht das Ende der Existenz, sondern der Übergang in eine andere Form des Lebens. Damit die Seele das Jenseits erreichen konnte, musste der Verstorbene das Totengericht des Osiris passieren. Im Mittelpunkt dieses Gerichts stand Maat – das göttliche Prinzip von Wahrheit, Gerechtigkeit, Ordnung und kosmischem Gleichgewicht.

Der Verstorbene wurde von Anubis, dem Gott der Einbalsamierung und des Totenschutzes, in die Halle der beiden Wahrheiten geführt. Dort wurde sein Herz auf eine Waage gelegt und gegen die Feder der Maat gewogen. Das Herz galt als Sitz von Bewusstsein, Charakter und moralischem Handeln. Die Feder verkörperte dagegen die Ordnung, nach der die Welt und das Zusammenleben der Menschen funktionieren sollten.

In den Texten des ägyptischen Totenbuchs spricht der Verstorbene das sogenannte „Negative Bekenntnis“. Vor den Göttern erklärt er, welche Verfehlungen er nicht begangen habe – darunter Diebstahl, Mord, Lüge oder Ungerechtigkeit. Über das Urteil wachten verschiedene Gottheiten. Thot, der Gott der Schrift und Weisheit, hielt das Ergebnis fest, während Osiris als Herrscher des Jenseits über das Reich der Toten herrschte.

War das Herz mit der Feder im Gleichgewicht, galt der Verstorbene als gerecht und durfte in das jenseitige Leben eintreten. Als idealer Aufenthaltsort werden die Felder der Ialu beschrieben – eine vollkommene, fruchtbare Landschaft, in der das Leben in harmonischer Form fortbestehen konnte.

War das Herz hingegen schwerer als die Feder, wurde es von Ammit verschlungen. Das Mischwesen mit dem Kopf eines Krokodils, dem Körper eines Löwen und dem Hinterleib eines Nilpferdes war die „Verschlingerin der Toten“. Ihr Urteil bedeutete nicht eine ewige Bestrafung, sondern die endgültige Vernichtung der Möglichkeit auf ein Weiterleben – den sogenannten „zweiten Tod“.

Maat war dabei nicht lediglich durch ihre Feder vertreten. Sie konnte auch als Göttin mit einer Straußenfeder auf dem Kopf dargestellt werden. Sie verkörperte die Ordnung selbst, an der sich Menschen, Götter und das gesamte Universum orientieren mussten.

Das Totengericht erzählt damit weniger von einem Himmel und einer Hölle im späteren religiösen Sinn als von der Vorstellung, dass das Weiterleben im Jenseits von der Aufrechterhaltung der Maat abhängig war. Wahrheit, Gerechtigkeit und das richtige Handeln gegenüber der Welt waren nicht nur moralische Ideale, sondern Teil einer kosmischen Ordnung, die über den Tod hinaus Bestand hatte.

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Persephone

auch Kore genannt, ist in der griechischen Mythologie die Tochter von Demeter und Göttin der Unterwelt.

Sie wurde von Hades entführt und zur Königin der Unterwelt gemacht, kehrt aber jedes Jahr zur Erde zurück und bringt den Frühling- ein Symbol für den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.

86. Cerberus

Cerberus

ist in der griechischen Mythologie der mehrköpfige Hund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. Er gehört dem Gott Hades und sorgt dafür, dass die Toten das Reich nicht verlassen und Lebende nicht unbefugt eindringen. Cerberus wird meist mit drei Köpfen dargestellt, oft ergänzt durch eine Schlange als Schwanz, und gilt als Symbol für die unüberwindbare Grenze zwischen Leben und Tod.

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Hel – Die Herrscherin der Totenwelt

Hel stammt aus der nordischen Mythologie und ist die Tochter des Gottes Loki. Sie herrscht über die gleichnamige Unterwelt “Helheim”, in die all jene Seelen eingehen, die nicht in einer Schlacht gefallen sind.

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