Die Wilde Jagd
Die Wilde Jagd ist eine weit verbreitete Sagenvorstellung aus der europäischen Volksüberlieferung. Sie beschreibt einen geisterhaften Zug von Reitern, Toten oder übernatürlichen Wesen, der besonders in stürmischen Nächten durch den Himmel oder über die Landschaft zieht.
Häufig wird sie mit einem Anführer verbunden, der je nach Region unterschiedliche Namen trägt, etwa Wotan/Odin in germanischen Erzahlungen, Hekate, Hel/Frau Holle oder andere lokale Gestalten.
Die Sage wurde oft als Erklärung für Naturereignisse wie Stürme oder unheimliche Geräusche verwendet. In manchen Überlieferungen bringt die Wilde Jagd Unheil, in anderen gilt sie als Zeichen für den Übergang zwischen den Welten oder als Teil alter Vorstellungen über Tod und Erneuerung.
Die Sage von König Herla
Laut der bekanntesten mittelalterlichen Quelle (Walter Map, 12. Jh.) war Herla ein sagenhafter König der Briten. Eines Tages begegnete er einem kleinen, seltsam aussehenden Fremden mit rotem Bart und pelzigem Gesicht — vermutlich ein übernatürliches Wesen oder ein Andersweltsfürst.
Der Fremde kündigte Herla an, bei dessen Hochzeit erscheinen zu wollen — unter der Bedingung, dass Herla später auch zu seiner Hochzeit in die Anderswelt kommt. Herla willigte ein, und so geschah es: Der Fremde erschien mit einem überirdisch prächtigen Gefolge, beschenkte Herla reich und verschwand wieder.
Ein Jahr später löste Herla sein Versprechen ein. Er und seine Gefolgsleute ritten in die Anderswelt, wo sie an einem prachtvollen, aber seltsam zeitlosen Fest teilnahmen. Als sie nach dem Fest zurückkehrten, verging für sie nur kurze Zeit — doch in der Menschenwelt waren Jahrhunderte vergangen.
Als Herla und seine Männer an die Oberfläche zurückkehrten, war das Königreich verändert: die Sachsen hatten das Land übernommen, und niemand kannte mehr seinen Namen.
Noch schlimmer: Der Fremde hatte ihnen befohlen, nicht vom Pferd zu steigen, bis der mitgeführte Bluthund abspringt. Doch der Hund tat es nie.
So mussten Herla und seine Gefolgsleute ewig durch die Lande reiten — weder ganz lebendig noch ganz tot — und wurden schließlich als geisterhafte Jagdgesellschaft gesehen, die über die Hügel zieht: die Wilde Jagd.
Custom Tattoo: Frau Holle als Hel & Anführerin der Wilden Jagd
Von Hel zu Frau Holle – eine Göttin im Wandel?
Frau Holle ist heute vor allem als freundliche, aber strenge Gestalt aus dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm bekannt. Doch hinter der alten Frau, die ihre Betten ausschüttelt und damit den Schnee auf die Erde fallen lässt, vermuten manche Deutungen eine wesentlich ältere mythologische Gestalt: eine mächtige Herrin der Anderswelt, des Todes und der Schicksale.
Besonders häufig wird Frau Holle mit Hel, der Herrscherin der nordischen Totenwelt, in Verbindung gebracht. Beide Figuren stehen in unterschiedlichen Überlieferungen mit dem Reich der Toten und der Grenze zwischen der Welt der Lebenden und einer jenseitigen Welt in Verbindung. Auch ihre Namen werden häufig miteinander verglichen – wobei eine direkte sprachliche oder historische Abstammung von Hel zu Holle wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist.
Interessant ist dabei ein größeres Phänomen: Mit der Christianisierung Europas verschwanden die alten vorchristlichen Glaubensvorstellungen nicht einfach. Viele Motive und Figuren lebten in Sagen, Bräuchen und Volksmärchen weiter. Manche wurden christianisiert, andere dämonisiert oder erhielten neue Eigenschaften. Aus einer mächtigen Gottheit konnte so im Laufe der Jahrhunderte eine Sagengestalt, eine Heilige, ein Dämon oder – wie im Fall Frau Holles – eine Märchenfigur werden.
In den Sagen erscheint Frau Holle jedoch weitaus geheimnisvoller als im bekannten Märchen. Sie wird mit den Rauhnächten, dem Winter, der Fruchtbarkeit, dem Wetter, den Seelen der Verstorbenen und der Wilden Jagdverbunden. In manchen regionalen Überlieferungen zieht sie gemeinsam mit einer geisterhaften Schar durch die Winternächte. Dadurch erscheint sie weniger als bloße Märchenfigur, sondern als Gestalt an der Schwelle zwischen Leben und Tod, Ordnung und Wildnis.
Ob Frau Holle tatsächlich auf die nordische Hel zurückgeht, lässt sich nicht sicher beantworten. Wahrscheinlicher ist, dass sich im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche regionale Vorstellungen, Figuren und Motive miteinander vermischt haben. Die Verbindung zwischen Hel und Holle bleibt deshalb vor allem eine faszinierende mythologische Interpretation – ein Beispiel dafür, wie alte Vorstellungen ihren Charakter verändern können, ohne vollständig zu verschwinden.
Vielleicht ist Frau Holle damit ein Sinnbild für den Wandel von Religion selbst: Götter sterben nicht unbedingt aus. Manchmal verändern sie nur ihren Namen, ihre Geschichten und die Gestalt, in der wir sie wiedererkennen.
Walküren
Walküren sind weibliche Gestalten aus der nordischen Mythologie, die dem Gott Odin dienen. Ihre Aufgabe besteht darin, gefallene Krieger auszuwählen und sie nach Walhall zu führen, wo diese sich auf das Jenseits vorbereiten. Sie werden sowohl als kriegerisch als auch als übernatürlich schicksalsbestimmend beschrieben.
Custom Walküren Tattoo.