Fabeltiere sind keine Wesen aus einer fernen magischen Welt. Sie begegnen uns in Gestalt von Tieren, sprechen, denken und handeln jedoch wie Menschen. Seit Jahrhunderten werden sie in Fabeln eingesetzt, um menschliche Eigenschaften, Schwächen und gesellschaftliche Rollen sichtbar zu machen.
Der Fuchs steht für List und Gerissenheit, der Wolf für Gier und Rücksichtslosigkeit, der Löwe für Macht und Stolz. Die Eule kann für Weisheit stehen, während der Esel häufig Naivität oder Ausdauer verkörpert. Dabei sind die Tiere nicht einfach „gut“ oder „böse“ – sie spiegeln die Widersprüche und Eigenheiten menschlichen Verhaltens wider.
Besonders faszinierend ist, dass die Tiere dadurch zu Stellvertretern des Menschen werden. Eine Geschichte über einen eitlen Raben, einen schmeichelnden Fuchs oder einen hochmütigen Löwen erzählt letztlich weniger über Tiere als über uns selbst.
Viele dieser Charaktere stammen aus einer jahrhundertealten Erzähltradition, die sich durch verschiedene Kulturen und Zeiten zieht. Von Äsops Fabeln bis zu La Fontaines Geschichten wurden sie immer wieder neu erzählt und interpretiert.
So sind Fabeltiere zugleich Spiegel und Karikatur des Menschen: Sie machen unsere Tugenden und Laster sichtbar, indem sie sie in tierischer Gestalt auftreten lassen.