224. Finnonuala & the Children of Lir
Lir, ein mächtiger Herrscher der Anderswelt, hatte vier Kinder:
Fionnuala, Aodh sowie die Zwillinge Fiachra und Conn. Nach dem Tod ihrer Mutter heiratete er deren Schwester Aoife.
Anfangs kümmerte sie sich liebevoll um die Kinder, doch mit der Zeit wurde ihre Zuneigung von Eifersucht verdrängt. Aus Angst, niemals denselben Platz im Herzen Lirs einzunehmen, belegte sie die Geschwister mit einem Fluch und verwandelte sie in Schwäne.
Obwohl sie ihre menschliche Gestalt verloren, behielten sie ihre Erinnerungen, ihre Stimmen und ihre enge Verbindung zueinander. Neunhundert Jahre lang mussten sie als Schwäne leben - zuerst auf einem irischen See, später in der stürmischen Meerenge zwischen Irland und Schottland und schließlich an der rauen Westküste Irlands. Wahrend die Welt um sie herum sich veränderte, blieben sie nur einander.
Besonders Fionnuala, die älteste Schwester, wurde zur Beschützerin ihrer Brüder. Sie spendete Trost, hielt die Familie zusammen und trug sie durch Jahrhunderte der Einsamkeit.
Erst als der Fluch nach neunhundert Jahren endete, konnten die vier ihre menschliche Gestalt zurückerlangen. Doch die lange Zeit hatte ihren Tribut gefordert: Sie waren zu alten Menschen geworden und starben kurz darauf - endlich vereint und von ihrem Leid erlöst.
Bis heute gelten die Kinder des Lir als Symbol für Ausdauer, familiären Zusammenhalt und die Hoffnung, selbst die dunkelsten Zeiten zu überstehen.